70 Jahre Kammerchor – Großes Jubiläumskonzert in der Hl-Kreuz-Kirche

Am Anfang des renommierten Landsberger Kammerchores steht ein junger Geistlicher – Josef Hartlmaier, der 1941 nach Landsberg kam um die Spitalpfarrei zu übernehmen. Sogleich schart er behutsam junge Menschen um sich und singt mit ihnen. Damit steuert er bewusst dem damaligen Zeitgeist entgegen – was nicht ungefährlich war. Man trifft sich heimlich in Hartlmaiers Wohnzimmer, sogar einen Decknamen („Tra“) verpassen die Jugendlichen ihrem Mentor. Das kleine Ensemble – später Landsberger Jugendchor genannt – tritt 1943 das erste Mal in der Hl-Kreuz-Kirche auf. Wegen beruflicher Überlastung gab Josef Hartlmaier den „Landsberger Jugendchor“ 1954 an zwei junge Musikstudenten ab: Fritz Braun und Alfons Schmidt, die den Landsbergern auch heute noch wohlbekannt sind. Seinen heutigen Namen erhielt der Kammerchor dann 1961. Fast 40 Jahre später übergab Alfons Schmidt den Chor 1999 an Christian Schumertl, der ihn bis 2007 leitete. Seit 2008 singt der Chor weiterhin sehr erfolgreich unter seiner jetzigen Leiterin Silvia Elvers.

Sein 70-jähriges Bestehen feierte der Kammerchor Landsberg am Samstag, den 22.06.2013 um 20 Uhr in der Hl-Kreuz-Kirche mit seinem großen Jubiläumskonzert.  Dieses stand ganz im Zeichen Georg Friedrich Händels. Das Hauptwerk des Abends stellte das große „Dettinger Te Deum“ dar, welches Händel 1743 zur Feier des Sieges von Dettingen komponierte. In Dettingen am Main (Nähe Aschaffenburg) war es der Armee von König George II von Großbritannien im Juni 1743 gelungen, die Franzosen im Österreichischen Erbfolgekrieg zu besiegen. Dies sollte sich in England in allerlei großen Feierlichkeiten niederschlagen. Gleich im Juli begann Händel – der zu dieser Zeit engl. Hofkomponist war – mit der Arbeit für ein entsprechend glanzvolles Werk. Als König George II im November nach England zurückkehrte, wurde das fortan „Dettinger Te Deum“ genannte Werk am 27.11.1743 in Gegenwart des Königs in der Kapelle von St. James‘ Palace in London feierlich uraufgeführt.

Mit Pauken und Trompeten

Nicht nur der ausführliche Einsatz von Pauken und Trompeten, die große Orchesterbesetzung und die Stimmgewalt der Chorsätze, sondern auch die mitunter fast meditativen Ruhepunkte in der ansonsten äußerst prachtvollen Komposition machten das „Dettinger Te Deum“ bereits zu Lebzeiten Händels zu einem der beliebtesten Werke in der festlichen Kirchenmusik. Es wurde bei offiziellen Dank- und Fest-Anlässen gesungen und daher von der Chorleiterin Silvia Elvers als passendes Werk „zum 70-Jährigen“ ausgewählt. Das zweite Werk des Jubiläumskonzerts ist das „Laudate pueri“ für Chor, Orchester und Solosopran (gesungen von Claudia Reinhard). Bei der Zusammenstellung des Konzertprogramms war für den Kammerchor das Werk auch deshalb interessant, da es zum Thema hat, dass Kinder Gott singend preisen. Dies wiederum stellt einen Bezug zum Jubiläum dar, da der Kammerchor 1943 ja ursprünglich als Jugendchor gegründet wurde.

Dass auch der a-cappella-Gesang zur Bandbreite des Könnens gehört, präsentierte der Chor ebenfalls im Jubiläumskonzert. Passend zur Freude über das
70-jährige Bestehen hat der Kammerchor die doppelchörige Motette „Das ist meine Freude“ von Johann Ludwig Bach einstudiert, welche den festlichen Konzertabend unter der Gesamtleitung von Silvia Elvers abrundete.