Konzert: Misa a Buenos Aires. Misatango

Der Tango ist nicht einfach ein Tanz, er ist ein mit Emotionen aufgeladener Mythos. Immer schwingt etwas mit, sobald von ihm die Rede ist und erst recht, wenn er musiziert und getanzt wird – Leidenschaft, Schmerz, Wehmut, ein Hauch Verruchtheit… Die Kraft des Tangos liegt darin, dass er Schmerz in Energie verwandelt. Spätestens mit Astor Piazzollas Tango Nuevo wurde er zur komplexen Kunstmusik erhoben. Doch lässt er sich auch zur sakralen Musik läutern?
Martín Palmeri lässt es mit seiner „Misa a Buenos Aires. Misatango“ auf einen Versuch ankommen. Das 1996 komponierte Stück ist eine „klassische“ Messvertonung und bedient sich der Formensprache der kirchenmusikalischen Tradition. So beginnt und endet das Werk mit geradezu schulbuchmäßigen Fugen im Kyrie und im Agnus Dei. Hört man genau hin, erkennt man bisweilen sogar Anklänge an Bach.
Stilistisch ist das Stück allerdings stark vom argentinischen Tango Nuevo inspiriert und greift dessen typische harmonische Merkmale und rhythmische Figuren auf. Mit der Instrumentierung für Streichorchester, Klavier und Bandoneon spielt Palmeri auf das klassische Tangoorchester an, der typische „Tangosound“ ist auch hier unüberhörbar. Herz und Seele des Tangos lässt Palmeri auch durch den farbigen Mezzosopran-Part in sein Stück einfließen. Das Ergebnis: eine tangofarbige Messe oder ein spiritueller Tango – der Hörer mag entscheiden…


Kammerchor Landsberg e.V.
Tango-Kammerorchester aus Landsberger MusikerInnen
Katharina Gruber, Mezzosopran
Silvia Elvers, Leitung
Sonntag, 16.10.2022, 20.00 Uhr, Hl-Kreuz-Kirche Landsberg